textbar_ büro für frische worte

Irgenwann stehst du im hellen Schein

Zuerst schneidet sie den Fettrand weg. Ganz vorsichtig macht sie das, direkt zärtlich. „Wie ein Chirurg", sagt Boris, und sie sagt dann: „Bub, du übertreibst", aber tief drinnen freut sie sich, weil wo kriegt man heute noch ein Kompliment. Dabei liegt es auf der Hand: Wer zu viel Fett wegschneidet, schneidet den Geschmack weg. Schlimm genug, dass die Elfi keine Schweinsschulter mehr gehabt hat. Da machen sie immer Werbung für Schweinsschulter, nur 2,90 das Kilo, und kaum willst du eine bestellen, gib es nur noch Bauch oder Rippen.

„Fein aufschneiden, Elfi", hat sie die Elfi noch gebeten, „du weißt, dass ich mit meiner schlechten Hand nicht mehr so fest klopfen kann", aber Elfi ist eine moderne Fleischhauerin: ohne Gefühl. Denkt nur ans Verwursten und an den Kilopreis und an ihren Ferdinand, für den sie die Gustostückerl aufhebt. Vorgestern haben sie den Wenninger begraben. Die Blasmusik hat ein Roy Black-Lied gespielt, In Japan geht die Sonne auf, das war direkt feierlich. Irgendwann dann stehst du im hellen Schein / das kann heute Nacht schon sein. Die Kanatschnig und die Oberlechner haben leise mitgesummt.

Die ganze Geschichte

mag. isabelle straub | theatergasse 4 | 9020 Klagenfurt | +43 699 158 00 445 | office@textbar.at Impressum E-Mail Kontakt